Unverstand
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Stille

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20.1.09 02:00


Engel und Teufel (Glück im Trug 2)

Man zehrt nach ihm, der Engel mein,
der stets und stetig Hoffnung hegt.
Der strebt von Lieb' und Trost zu sein,
bis er den Trug nicht mehr erträgt.

Ich bin kein Mensch, ich bin ein Zustand;
nichts gefühlt, bin ich passiert.
Lebte lang am eigenen Rand,
hatt' als Extrem mich auf euch projiziert.

Denn ihr, ihr wollt, dass ich euch ehre
euch halte, liebe wie einen Stern.
Doch fass ich bei euch nur noch ins Leere,
sind unsre Herzen sich zu fern,
ist's die ein' und andre Frage, die mir brennt:

Wer bin ich euch denn noch geblieben?
Und wenn ihr nun meine Teufel kennt,
könntet ihr mich weiter lieben?
Oder bleibt mir nur das Glück der Trüge,
weil niemand mehr zur Wahrheit steht?

Denn, wenn man die Teufel aus mir schlüge,
wär's auch der Engel, der vergeht.
23.7.08 04:47


Menschsein (Glück im Trug)

Das Menschsein fault mir in den Adern;
bin es leid, das Leid zu tragen,
aus ungewollten Lebensfragen
über mich doch nichts zu lern'.

Ich atme nur noch um zu sterben,
ein Stück, ein kleines, pro Sekunde;
verbringe damit Stund' um Stunde
jedes Wort im Trug zu gerben.

Denn die Lüge, die ich dringend gebe
lässt die kalte Welt erwachen,
wird Schein vom Leben, das ich lebe,
ziert es in ein gebrochenes Lachen,
dem, wenn auch fälschlich, ich bestrebe,
um Glück im Trug mir zu entfachen.
23.7.08 04:09


[Konnt' ich nie finden, nur vermissen]

Konnt' ich nie finden, nur vermissen,
was Haus und Heime mir sein sollte;
zog aus zum Ziel, das mein Herz wollte,
ohne selbst ums Ziel zu wissen.

Doch lernt' ich auf dieser Reise fühlen;
lernt' ums Feuer, den Zwiespalt jener
Liebe, Leben, Hass und lernte nunmehr
sich mit dem Tod die Seel' zu kühlen.

Schal, der Wahnsinn, schal und kalt,
siecht im Leben, weit und breit,
fesselt's Herz, das krallt und schallt:

Denn lebt der Tod in jeder Schönheit,
welkt die Liebe schnell zu alt:
ist's auch der Tod, der Fesseln freit.
8.7.08 03:35


Aus Tristan und Isolde.

(von August von Platen)

Wer die Schönheit angeschaut mit Augen,
Ist dem Tode schon anheim gegeben,
Wird für keinen Dienst auf Erden taugen,
Und doch wird er vor dem Tode beben,
Wer die Schönheit angeschaut mit Augen.

Ewig währt für ihn der Schmerz der Liebe,
Denn ein Thor nur kann auf Erden hoffen,
Zu genügen einem solchen Triebe.
Wen der Pfeil des Schönen je getroffen,
Ewig währt für ihn der Schmerz der Liebe!

Was er wünscht, das ist ihm nie geworden,
Und die Stunden, die das Leben spinnen,
Sind nur Mörder, die gemach ihn morden:
Was er will, das wird er nie gewinnen,
Was er wünscht, das ist ihm nie geworden.

Ach, er möchte wie ein Quell versiechen,
Jedem Hauch der Luft ein Gift entsaugen,
Und den Tod aus jeder Blume riechen:
Wer die Schönheit angeschaut mit Augen,
Ach, er möchte wie ein Quell versiechen!
8.7.08 01:15


Schneekugel.

In einer Kugel aus splitterndem Glas,
inmitten ein Mann aus Schnee geboren,
steht er dort hilflos ohne Maß,
war vor langer Zeiten schon erfroren.

Nur selten noch erwachte er leis'
freite sein Herz vom knirschendem Eis,
sehnte nach Freude, den Kindern, die lachten,
mit Rütteln und Schütteln Magie ihm entfachten.

Heute doch, dem Lächeln taub,
steht er starr und stumm, vom Licht entrückt.
Auf seinen Himmel sammelt Staub,
der seinem Schnee den Glanz zerdrückt.

Niemand mochte ihn bewegen,
den Schnee um ihn herum anregen.
Von jedem Blicke übergangen,
ein Jung' aus Schnee im Glas gefangen.
24.6.08 04:03


Nichtig.

Kein Gefühl kann ich noch finden,
keine Zukunft in mir säen,
nur Verlust; er bleibt gewichtig.

Muss sich mein Herz durch's Dunkel winden,
Schlag um Schläge überstehen,
bleibt dennoch keine Richtung richtig.

Kann ich den Wind nicht mehr empfinden,
kein Licht am End' der Sehnsucht sehen,
ist auch kein Glücke mir noch wichtig.

Ach soll die Welt Verlust empfinden,
Vor Schmerz und Trauer winseln, flehen,
Es ist und bleibt für mein Herz nichtig.
19.6.08 06:09


Letzte Ruh.

Ein letztes Mal solls Herze toben,
hat sich das eigne Grab gehoben.
Ohne Trost treibt es mich zu
dem Warten auf die letzte Ruh.

Was ich zuletzt noch fühlen wollte,
ein Augenblick, der Liebe zollte,
noch einen Schlag dem Herzen schenkte,
zerbrach und in Vergessen tränkte.

Es fiel ein Stein, dem Herze würdig,
der Zeit anheim und viel zu irdisch,
zerriss, erfror, kaum zu erkennen,
war auch vom ihm bald nichts zu nennen.


Neben meinem wartend Grabe
saß auf diesem Stein ein Rabe,
ergriff der Liebe zitternd Hand,
bis er mit ihr in Zeit verschwand.
18.6.08 05:04


Routiniert.

Aus der Traum vom großen Glück. Die glorreichen Zeiten der wahren Liebe und der aufrichtigen, vielleicht sogar heroischen Freundschaft, wie sie nur noch als Konzept potentieller Filmklassiker existiert, sind vorbei.
Heutzutage wird nur noch gelogen, betrogen, hintergangen und geschwiegen, als Höflichkeit abgetan, um das eigene Ego aufpoliert und gänzlich ohne Erwartung auf Gegenleistung auf nahe stehende, aber ehrlich gesagt völlig fremde Menschen abzulegen. Wir alle sind nur allzu gern bereit Verlust zu akzeptieren, wenn es der einfache Weg ist. Es wird Routine, dass die Welt nicht mehr richtig tickt und anstatt zu überlegen, wie man als einzelner Mensch, oder als Gemeinschaft, die Dinge in ein besseres Licht rücken könnte, überzeugen wir uns selbst davon, dass die Dinge eben sind, wie sie sind. Da kann man halt nichts machen.
Wir finden uns damit ab, dass nichts mehr richtig funktioniert und geben uns zufrieden mit dem, was wir kriegen können.
Ob es nun normal wird, dass der Geschirrspüler schon nach einem Monat nicht richtig sauber macht und man eben vor jedem, pünktlich um 18 Uhr stattfindenden, Abendessen die Gabel noch einmal mit Hand waschen muss, oder das Kind in der unerschütterlichen Überzeugung aufwächst, dass zur Disziplin ein Schlag vom durch Kindheitszwang geliebten Vater gehört - denn schließlich kennt man es ja nicht anders und es ist die eigene Schuld, die es einem verdient, wie ein Stück Dreck auf einer Spülmaschinen festen Gabel frisch aufpoliert zu werden, ohne auch nur die geringste Erwartung zu verspüren, dass es vielleicht nicht richtig sein könnte.

Manchmal findet man sich dann aber doch in der Idiotie wieder und fängt an zu lachen und zu weinen und zu sinnen und staunen und könnte die gesamte Welt umarmen. Glück ist wohl die stärkste unbewusste Egopolitur, denn so sehr man sich auch bemüht, gleicht das gesamte glückliche Verhalten am Ende erschreckend der heuchlerischen, aber immerhin bewusst erlebten, Höflichkeitsdistanz, die sich mit der Zeit zwischen beinah jeder zwischenmenschlichen Beziehung aufbaut und konsequent dem Konzept der freien, fröhlichen und liebenden Welt die hässliche Maske der Realität aufsetzt. Und genau da bringt einem all das rein gar nichts mehr.
Sicher, man könnte behaupten, dass es nicht um das Nehmen, sondern um das Geben geht, aber wer nur noch gibt und niemals nimmt, hat bald logischer Weise nichts mehr zu geben.
Doch wer nicht kämpft, der nicht gewinnt. Warum also nicht, denn verloren haben wir sowieso schon, warum also nicht versuchen zu erreichen, was wir noch erreichen können.
Das Beste draus machen.
Nehmen, was wir kriegen können, damit abfinden, aufpolieren und so tun, als würde es uns gefallen. Als würden wir noch weiter können.

Ich, ja ich könnte, wenn ich wollte, aber ich will nicht mehr können und wollen, das kann ich schon lange nicht mehr.

Reine Routine, aber so ist die Welt nunmal und ein Ende kommt gar nicht in Frage.
13.6.08 03:26


Richtung.

Er sieht die Jahre im Winde verwehen,
doch seine Zeit scheint still ihm zu stehen,
vergisst ihn in ihrem hastigen Lauf.

Dort ist ihm kein Ausweg, kein Hin oder Her,
bleibt stehen und trägt jene Zeit auf sich schwer,
wagt kaum mehr den Blick zum Himmel hinauf.

Doch manches Mal ziehts ihn zu dem Stern;
im Herzen so nahe, den Händen zu fern;
nie ganz vergessen, doch kein Mut ihn zu nennen.

Hatte er einst der falschen Richtung geglaubt,
oder reichte es ihm doch überhaupt,
nur einen Weg für sich zu erkennen?
7.6.08 06:20


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